Als jemand, die seit Jahren zwischen Theaterräumen, Tanzstudios und Sporthallen unterwegs ist, höre ich immer wieder dieselbe Frage: Wer finanziert eigentlich langfristige Residencies für tanzende Athletinnen in der Schweiz? Die Antwort ist nicht eindimensional — es gibt keine einzige nationale Quelle, die alles abdeckt. Stattdessen bauen sich nachhaltige Residency‑Formate meist aus mehreren lokalen und regionalen Förderinstrumenten zusammen. Ich stelle hier drei Förderarten bzw. konkrete Programme vor, die in der Realität immer wieder langfristige Aufenthalte, Trainingsphasen und Produktionszeiten für performerisch‑athletische Projekte ermöglichen.

Pro Helvetia – Stipendien und Residencies mit strategischem Fokus

Pro Helvetia ist zwar eine nationale Kulturstiftung, wirkt aber stark lokal und international und ist für tanzende Athletinnen oft die erste Anlaufstelle, wenn es um längerfristige Residenzen geht. Ich habe Kolleginnen erlebt, die durch Pro Helvetia‐Stipendien mehrere Monate in Studiokomplexen in Europa verbringen konnten — mit klarer Unterstützung für Forschung, physisches Training und Produktion.

Was macht Pro Helvetia attraktiv?

  • Flexibilität: Förderungen decken nicht nur künstlerische Forschung, sondern auch Trainingskosten, Raum, Reisen und Honorare.
  • Netzwerk: Pro Helvetia vermittelt oft Anschlüsse an Partnerhäuser und Residency‑Plattformen im Ausland und in der Schweiz.
  • Langfristigkeit möglich: Durch Folgegesuche oder grössere Projektförderungen lassen sich Aufenthalte über mehrere Monate finanzieren.
  • Tipps aus der Praxis: Stelle dein Residency‑Projekt als Kombination von körperlicher Forschung, Performance‑Entwicklung und Vermittlung dar. Dokumentiere Trainingspläne, Partnerschaften mit Studios oder Hochschulen und lege dar, wie die Residency deine sportliche Praxis in eine künstlerische Perspektive überführt.

    Migros Kulturprozent – lokale Zentren, Produktionsförderung und Werkbeiträge

    Das Migros Kulturprozent ist ein ungewöhnlicher, aber verlässlicher Player: Es unterstützt sowohl lokale Kulturzentren als auch Produktions- und Werkbeiträge, die sich sehr gut für tanzende Athletinnen eignen. In vielen Regionen finanzieren Migros‑Kulturprozent‑Programme länger andauernde Produktionsphasen und kooperieren mit Tanzhäusern oder Kulturzentren, die Räume zur Verfügung stellen.

    Warum lohnt sich eine Anfrage beim Migros Kulturprozent?

  • Regional verankert: Migros‑Projekte sind häufig bei Kulturzentren und Off‑Spaces angesiedelt, die langfristige Raumnutzung ermöglichen.
  • Produktionsorientiert: Förderbeiträge sind oft für Proben, Coaching, Studiozeit und technische Vorbereitungen gedacht.
  • Publikumsarbeit: Migros legt Wert auf Vermittlung; das bringt für Athletinnen Möglichkeiten, ihre Arbeit in Workshops oder Vermittlungsformaten zu testen.
  • Praxisempfehlung: Baue lokale Partner ein — ein Kulturzentrum, ein Sportverein oder eine Hochschule erhöht deine Chancen. Zeige auf, wie die Residency Training, Forschung und eine Präsentation (Preview, Open Class, Performance) verbindet.

    Kantonale und kommunale Kulturfonds – Beispiele Zürich, Genf und Waadt

    Die kantonalen Kulturförderungen sind oft die unterschätzten, aber wirkungsmächtigen Akteurinnen. Kantone und Städte vergeben Werkbeiträge und Produktionsbeiträge, die über Monate laufen können. Ich habe in Zürich, Genf und der Romandie Residencies erlebt, die primär über kantonale Beiträge und ergänzende Stiftungsmittel finanziert wurden.

    Weshalb sind kantonale Fonds relevant?

  • Langfristige Planung: Kantone finanzieren oft Projekte mit räumlicher Anbindung (Studios, Labore, Tanzhäuser) über mehrere Monate.
  • Regionale Nähe: Fördersummen sind teilweise geringer, dafür ist der administrative Aufwand überschaubarer — ideal für lokale Verankerung.
  • Kooperation mit lokalen Institutionen: Kantone fördern gerne gemeinsame Projekte von Kulturhäusern und Sportinstitutionen, was für tanzende Athletinnen ideal ist.
  • Konkrete Hinweise (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Kanton Zürich: Das Amt für Kultur unterstützt Tanzprojekte mit Werk‑ und Produktionsbeiträgen; lokale Tanzhäuser wie das Tanzhaus Zürich bieten oft Residencymöglichkeiten in Kooperation mit kantonalen Mitteln.
  • Genf: Der Fonds culturel urbain und die Ville de Genève fördern längere Aufenthalte, insbesondere wenn das Projekt partizipative oder vermittelnde Elemente hat.
  • Waadt/Vaud: In der Romandie arbeiten Kantonsfonds oft eng mit Off‑Spaces und internationalen Partnern zusammen; Residencies werden häufig als «création» oder «résidence de production» ausgeschrieben.
  • Wie ich vorgehen würde — praktische Schritte für Bewerbungen

    Wenn ich heute eine langfristige Residency als tanzende Athletin beantragen müsste, würde ich so vorgehen:

  • Mappe potenzielle Räume: Tanzhäuser, Hochschulen (z. B. HKB, HSLU oder École supérieure de danse) und Kulturzentren, die eine mehrmonatige Nutzung erlauben.
  • Kombiniere Förderquellen: Plane ein Finanzierungsportfolio aus Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, kantonalen Beiträgen und Stiftungen (z. B. Ernst Göhner Stiftung oder private Kulturstiftungen).
  • Zeige Trainings‑ und Forschungsplan: Beschreibe tägliche Trainingsroutinen, Coachings, physiotherapeutische Unterstützung und wie das die Performancequalität stärkt.
  • Suche lokale Partner für Vermittlung: Workshops, Open Classes, Kooperationen mit Schulen oder Sportvereinen erhöhen die Förderchancen.
  • Finanzierungspuzzle — ein mögliches Beispiel (Tabellarisch)

    Förderquelle Beitragstyp Zeithorizont
    Pro Helvetia Stipendium/Residency‑Grant 3–6 Monate (mit Möglichkeit zur Verlängerung oder Folgefonds)
    Migros Kulturprozent Produktionsbeitrag / Werkbeitrag 2–6 Monate (meist projektbezogen)
    Kantonale Kulturförderung Werk‑/Produktionsbeitrag, Raumsubvention variabel; oft mehrere Monate

    Meine Beobachtungen aus der Praxis

    Langfristige Residencies für tanzende Athletinnen funktionieren am besten, wenn sie nicht nur als "Performanceproduktion" gedacht sind, sondern als umfassende Perioden körperlicher Forschung: physio‑ und konditionelles Arbeiten, technische Proben, kollaborative Recherche mit Choreographinnen, Sound‑ oder Lichtdesignerinnen und Vermittlungsphasen mit Publikum. Förderstellen reagieren positiv, wenn klar ist, dass die Residency nicht nur zu einem Stück führen soll, sondern zu einer nachhaltigen Entwicklung der Körper‑ und Bewegungspraxis.

    Ein letzter Tipp: Dokumentiere während der Residency regelmässig (Video, Trainingsjournale, Kompositionsnotizen). Viele Förderinstitutionen honorieren transparente Evaluationen — und gutes Dokumentationsmaterial öffnet Türen für Folgeförderungen oder internationale Kooperationen.