Als jemand, die häufig zwischen Konzertsälen, Proberäumen und Ausstellungshäusern pendelt, habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder mit der Frage beschäftigt: Wie verhandle ich mit einem regionalen Musiklabel wie Audiolith eine faire Gemeinschaftsresidenz für elektronische Komponistinnen und Tanzathletinnen? In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen und praktische Schritte — von der Idee über das Gespräch mit dem Label bis zu konkreten Vertragsklauseln und Evaluationskriterien.
Warum eine Gemeinschaftsresidenz zwischen Elektronik und Tanz?
Für mich liegt die Stärke einer solchen Residency darin, disziplinübergreifende Räume zu schaffen. Elektronische Komponistinnen bringen Klang- und Technikexpertise, Tanzathletinnen bewegen Körper und Raum. Gemeinsam entstehen Formate, die weder in reinen Clubkontexten noch in traditionellen Tanzstudios ohne weiteres passieren würden. Labels wie Audiolith verfügen oft über Netzwerke, Produktionsknow-how und eine Community — das kann Gold wert sein, wenn die Zusammenarbeit klar und fair geregelt ist.
Vorbereitung: Was ich vor dem Erstkontakt kläre
Bevor ich ein Label anspreche, mache ich mir Gedanken zu folgenden Punkten:
Diese Vorarbeit hilft, das Gespräch auf Augenhöhe zu führen — Labels schätzen, wenn Partner vorbereitete, realistische Vorschläge bringen.
Das Gespräch mit dem Label: Ton, Argumente, Verhandlungsposition
Beim ersten Meeting wähle ich einen kooperativen, aber bestimmenden Ton. Wichtige Argumente, die ich anführe:
Ich vermeide vage Versprechen und frage direkt nach ihrem Erwartungsbild: Welche Ressourcen können sie bereitstellen? Welche Formate bevorzugen sie? Wo sehen sie Grenzen?
Wichtige Vertragspunkte, die ich verhandle
Ein fairer Vertrag ist essenziell. Folgende Punkte sollten zwingend ausgehandelt werden — ich habe sie oft in Checklistenform verwendet:
| Bereich | Konkreter Vorschlag |
|---|---|
| Honorare | Festes Honorar pro Teilnehmerin + Tagessatz für Technikerinnen. Auszahlung zeitnah nach Leistung. |
| Reisekosten & Unterkunft | Ticketkosten, Fahrspesen, ggf. Hotelübernachtungen abgedeckt oder Pauschale vereinbart. |
| Infrastruktur | Zugang zu Studio, Equipmentliste, definierte Technikzeiten, Lagerraum. |
| Rechte & Veröffentlichungen | Klare Regelung: Wer darf Aufnahmen veröffentlichen? Revenue-Sharing oder Lizenzmodelle. |
| Credits & Promotion | Verbindliche Nennung aller Beteiligten, Promomaterialien, Social-Media-Pläne. |
| Haftung & Versicherung | Regelungen zur Versicherung von Personen und Equipment, Haftungsfreistellung für bestimmte Risiken. |
| Evaluierung | Meilensteine, Feedbackrunden, Abschlussbericht mit Zahlen & qualitativen Erkenntnissen. |
Faire Finanzmodelle: Honorare, Erlöse, Kostenaufteilung
Wenn es um Geld geht, empfehle ich Transparenz. Folgende Modelle haben sich bewährt:
Wichtig ist: Kostenaufteilung sollte vor Beginn fixiert werden. Sonst entsteht schnell Frust, wenn ein Konzert kurzfristig Einnahmen bringt — wer hat Anspruch auf was?
Inklusion, Diversität und Barrierefreiheit
Eine faire Residency ist mehr als Geld. Ich achte darauf, dass:
Labels sollten bereit sein, Mehraufwand für Accessibility zu unterstützen. Das ist keine Nice-to-have, sondern Teil fairer Kulturarbeit.
Programmgestaltung: Wie ich künstlerische Freiheit und Struktur ausbalanciere
Ich bevorzuge eine Mischung aus freier Forschung und klaren Präsentationsformaten:
Ich achte darauf, dass die Residency genug Freiräume für Scheitern hat — das ist oft der Nährboden für echte Innovation.
Dokumentation und Verwertung
Transparente Regeln zur Dokumentation sind essenziell. Ich verhandle gerne folgende Punkte:
Wenn das Label anbietet, die Master zu hosten oder eine EP zu veröffentlichen, verlange ich einen klaren Vertrag mit fairen Prozentsätzen und Rückkaufsoptionen für die Künstlerinnen.
Evaluation: Wie ich den Erfolg messe
Gemeinsame Evaluationskriterien sollten bereits im Vertrag stehen. Beispiele:
Ich empfehle mindestens eine formelle Feedbackrunde während der Residency und einen Abschlussbericht, der sowohl Zahlen als auch Narrative zusammenführt.
In Verhandlungen mit einem regionalen Label geht es am Ende weniger um Machtspiele als um Klarheit, Respekt und geteilte Verantwortung. Wenn alle Seiten transparent arbeiten — über Ressourcen, Erwartungen und Rechte — kann eine Gemeinschaftsresidenz zu einem Leuchtturmprojekt werden, das elektronische Musik und Tanz auf neue Weise miteinander verbindet.