Als Festivalmacherin, die immer wieder zwischen Theaterbühnen, Konzertorten und Ausstellungsräumen pendelt, stelle ich mir bei der Planung eines hybriden Programms regelmäßig dieselbe Herausforderung: Wie bringe ich sportliche Performance, Musik und bildende Kunst so zusammen, dass keine Disziplin überdeckt wird und alle drei gleichwertig sichtbar bleiben? Das ist weniger eine Frage der Gattungen als eine Frage von Raum, Zeit, Sprache und Haltung. Im Folgenden teile ich meine erprobten Strategien, konkrete Praxis-Tipps und einige Stolpersteine, die man vermeiden sollte.
Verständnis schaffen: gemeinsame Begriffe und Erwartungen
Bevor ich an Spielpläne und Förderanträge denke, nehme ich mir Zeit, mit den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern ein gemeinsames Vokabular zu entwickeln. Für Sportlerinnen kann "Performance" primär körperliche Maximierung bedeuten, für Musiker oft temporale Dramaturgie und für bildende Künstlerinnen eine räumliche Installation. Ein kurzes gemeinsames Dokument mit Begriffserklärungen und Erwartungen hilft, Missverständnisse zu vermeiden und schafft Respekt für die unterschiedlichen Arbeitsweisen.
Curatorial Design: Formate, die Verknüpfen statt Aneinanderreihen
Ich verzichte bewusst auf das Schema "eine Disziplin pro Abend". Stattdessen setze ich auf Formate, die Verknüpfungen erzeugen:
Solche hybriden Formate erzeugen echte Begegnungen und oft überraschende dramaturgische Brücken.
Raumkonzept: Architektur als dritter Partner
Der Raum entscheidet oft darüber, welche Disziplin dominiert. Ich achte darauf, Räume so zu wählen oder zu adaptieren, dass sie keine Gattung favorisieren:
Bei Open-Air-Formaten nutze ich natürliche Trennungen (Hügel, Bäume) und temporäre Bühnen, um Bewegung und Geräuschkulisse zu steuern.
Programmier-Logistik: Zeitfenster, Lärmmanagement und Zugänglichkeit
Ein hybrides Programm lebt von der Balance zwischen simultanen Ereignissen und gemeinsamen Momenten. Meine Regeln sind pragmatisch:
Bei Lärmbeschränkungen arbeite ich mit Schalldämpfung, Ausweichflächen und präziser Lautstärkemessung, damit gleichzeitig stattfindende Events sich nicht gegenseitig stören.
Finanzierung & Partner: Förderlogik für interdisziplinäre Projekte
Für hybride Programme ist es wichtig, Finanzierung aus verschiedenen Töpfen zu kombinieren: Kulturförderung, Sportförderung, städtische Projektgelder und private Sponsoren. Meine Vorgehensweise:
Artistische Zusammenarbeit: Briefings und Freiräume
Ich arbeite mit Künstlerinnen nach dem Prinzip "Rahmen statt Vorgaben". Ein kurzes, präzises Briefing beschreibt Zielgruppe, Raum, Dauer, technische Möglichkeiten und finanzielle Bedingungen. Gleichzeitig lasse ich genügend künstlerische Freiheit, damit genuine Experimente möglich sind. Praktische Tools, die sich bewährt haben:
Wenn Sportlerinnen und Musikerinnen gemeinsam proben, setze ich externe Moderation oder eine künstlerische Leitung ein, die interdisziplinäre Kommunikation unterstützt.
Publikum: Vermittlung und Erwartungsmanagement
Ein hybrides Festival zieht unterschiedlichste Publikumsschichten an. Meine Kommunikationsstrategie zielt auf Transparenz:
Ticketing: Kombi-Tickets für mehrere Formate und ermäßigte Tagespässe fördern das Erproben von Disziplinen, die Besucherinnen sonst nicht wählen würden.
Technik & Sicherheit: Details, die den Unterschied machen
Technik ist bei hybriden Formaten kein Luxus, sondern Grundlage. Ich arbeite eng mit Technikerinnen, Bühnenbildnern und Sicherheitsbeauftragten zusammen. Wichtige Punkte:
Meine Technik-Checkliste wird bei jeder Produktion durchgesprochen und protokolliert — so entstehen keine Überraschungen am Aufführungstag.
Dokumentation und Nachhaltigkeit
Ein hybrides Festival ist nicht nur Event, sondern auch Ressource: für zukünftige Projekte, Forschung und für die Künstlerinnen selbst. Deswegen investiere ich in gute Dokumentation:
So werden hybride Formate langfristig lernbar und reproduzierbar.
Beispielhafter Tagesplan
| 10:00 | Offenes Studio: Bewegungsresidenz (Sport + Bildende Kunst) |
| 12:30 | Lunch-Kurzkonzert: elektroakustische Musik im Ausstellungsraum |
| 15:00 | Salon: Gespräch zwischen Choreographin, Komponist und Kuratorin |
| 18:00 | Performance: Live-Musik trifft akrobatische Sequenz auf temporärer Bühne |
| 20:30 | After-Show: begehbare Installation mit DJ-Set und Licht |
Diese Mischung erlaubt es dem Publikum, zwischen Beobachtung, direkter Teilnahme und Reflexion zu wechseln — und den Künstlerinnen, ihre Arbeiten in verschiedenen Kontexten zu erproben.