Als ich das erste Mal bewusst nach inklusiven Sport- und Bewegungsperformances suchte, war ich überrascht, wie schwer es ist, echte Teilhabe von bloßem Lippenbekenntnis zu unterscheiden. In meiner Arbeit für Secondofestival begegne ich häufig Produktionen, die sich mit Inklusion schmücken – doch die Bandbreite reicht von wirklicher Mitgestaltung bis zu symbolischen Gesten. In diesem Text teile ich meine Erfahrungen, praktische Tipps und Kriterien, mit denen ihr als Zuschauerinnen und Zuschauer besser einschätzen könnt, ob eine Performance in eurer Region wirklich inklusiv ist und wie echte Partizipation aussieht.
Warum Inklusion im Sporttheater und Bewegung wichtig ist
Bewegung ist ein zutiefst körperlicher Ausdruck; sie berührt Identität, Selbstwirksamkeit und soziale Teilhabe. Wenn Performances inklusiv gestaltet sind, bieten sie Menschen mit unterschiedlichen Körperlichkeiten, Erfahrungen und Zugangsbedürfnissen die Möglichkeit, sichtbar und aktiv teilzuhaben. Inklusion verändert zudem die ästhetische Sprache: Regelmäßige Formate, die Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen, migrantischen Communities oder Menschen ohne formale Tanz- oder Sportausbildung einbeziehen, erweitern das Vokabular von Bewegung und Performance.
Wo suche ich nach inklusiven Sport- und Bewegungsperformances?
In der Schweiz gibt es verschiedene Anlaufstellen, die ich regelmäßig checke:
Mein Tipp: Abonniert Newsletter, folgt lokalen Bühnen, Kulturstiftungen und inklusiven Initiativen. Oft werden Projekte noch nicht groß beworben — persönlicher Kontakt per E-Mail oder Telefon kann Türen öffnen.
Woran erkenne ich echte Partizipation? Praktische Kriterien
Hier sind Signale, die ich als verlässlich empfinde, wenn es um echte Partizipation geht:
Fragen, die ihr Veranstalterinnen stellen könnt
Ich habe gelernt, dass direkte Fragen viel klären. Hier einige, die ich selbst oft stelle:
Eine klare, offene Antwort ist ein gutes Zeichen. Ausweichende oder vage Antworten deuten darauf hin, dass das Thema noch nicht ernsthaft durchdacht ist.
Beobachten während der Aufführung: Woran erkennt man Inklusion live?
Während einer Performance schaue ich auf Details, die oft viel aussagen:
Roter Faden: Zwischen Community-Arbeit und Kunstbetrieb
Manche Projekte bewegen sich zwischen sozialer Arbeit und künstlerischem Anspruch. Das ist nicht per se schlecht — wichtig ist Transparenz. Wenn ein Projekt als Kunstprojekt firmiert, sollte es auch künstlerische Verantwortung übernehmen und Teilnehmende nicht nur als "Material" einsetzen. Wenn es soziale Ziele verfolgt, soll es diese offen kommunizieren und Ressourcen entsprechend einplanen.
Tabelle: Zeichen echter Inklusion vs. symbolische Geste
| Zeichen echter Inklusion | Symptom symbolischer Geste |
|---|---|
| Teilnehmende in kuratorischer Rolle | Teilnehmende nur als "Statist*innen" aufgeführt |
| Barrierefreie Kommunikation und Infrastruktur | Einmaliges Angebot, keine nachhaltige Zugänglichkeit |
| Fest eingeplante Honorare und Ressourcen | Keine finanzielle Anerkennung, Freiwilligkeit als Standard |
| Langfristige Zusammenarbeit mit Communities | Projekt als einmalige PR-Maßnahme |
Praktische Ressourcen und lokale Tipps
In Zürich und Basel habe ich gute Erfahrungen mit inklusiven Initiativen gemacht, die gezielt Sport und Performance verbinden. Sucht nach Workshops von freien Compagnien, die explizit "inklusiv" und "partizipativ" ausschreiben. Kulturförderstellen (z. B. Pro Helvetia, Kantonskulturämter) listen oft geförderte Projekte, die ein Qualitätsvetrauensmerkmal darstellen. Für Barrierefragen sind Behindertenorganisationen und Kulturvermittlerinnen wertvolle Ansprechpartnerinnen.
Wenn ihr selbst Teilhabe anstoßen wollt: Macht eure Bedürfnisse klar, vernetzt euch frühzeitig mit Veranstalterinnen und bringt konkrete Vorschläge (z. B. barrierefreie Raumausstattung, Honorarmodelle, verschiedene Ausdrucksformen). Community-basierte Plattformen wie Meetup oder lokale Facebook-Gruppen sind oft ein guter Startpunkt, um Gleichgesinnte und Veranstalter*innen zu finden.
Ich beobachte immer wieder, wie inklusive Bewegungsperformances unsere Wahrnehmung von Sport und Ästhetik erweitern. Als Zuschauerin finde ich es bereichernd, mich aktiv zu informieren und kritisch, aber wohlwollend nachzufragen. So unterstützen wir Projekte, die echte Partizipation ermöglichen — und machen den Kulturraum unserer Region vielfältiger und zugänglicher.