Als Programmverantwortliche, die oft zwischen Bühnen, Studios und Probebühnen pendelt, habe ich mich gefragt: Wie verhandle ich mit einem regionalen Musiklabel (z. B. Audiolith) eine gemeinsame Residenz für tanzende Athletinnen und elektronische Komponistinnen? In diesem Text teile ich meine Erfahrungen, konkrete Schritte und praktische Hinweise — damit aus einer Idee eine realistische, faire und kreative Residency wird.

Warum eine gemeinsame Residency zwischen Tänzerinnen/Athletinnen und elektronischen Komponistinnen?

Mir ist wichtig, dass Residenzen nicht nur Produzieren, sondern auch Experimentieren ermöglichen. Sobald man Tänzerinnen, die physische Präzision und athletische Qualität einbringen, mit elektronischen Komponistinnen verbindet, entstehen Schnittmengen: Klang als Architektur für Bewegung, Bewegung als Modulator elektronischer Klänge. Das Label bringt Reichweite, ein Netzwerk und Produktionsknow-how — und die Residency ermöglicht eine tiefe künstlerische Annäherung.

Vorbereitung: Was klären, bevor ich das Label kontaktiere?

Ich bereite ein kurzes, aber überzeugendes Dossier vor. Darin sollten enthalten sein:

  • Konzeptbeschreibung: Idee, Ziele der Residency, gewünschte Ergebnisse (Live-Performance, Club-Set, audiovisuelle Installation, Dokumentation).
  • Artistische Profile: Kurzbiografien der Tänzerinnen/Athletinnen und der Komponistinnen, relevante Links zu Arbeiten.
  • Nutzen für das Label: Warum ist die Residency für ein regionales Label interessant? (Content, Gigs, Veröffentlichungen, Community-Building)
  • Logistische Rahmenbedingungen: Dauer (z. B. 2–4 Wochen), Ort, benötigte Infrastruktur (Studio, Tanzboden, Sound-Equipment).
  • Finanzielles Modell: Vorläufiger Budgetplan und Finanzierungsquellen (Label-Budget, Fördermittel, Ticketverkauf).
  • Ich schicke dieses Dossier als PDF zusammen mit einem prägnanten E‑Mail-Anschreiben an passende Ansprechpartnerinnen: A&R, Labelmanagerin oder Künstlerische Leitung. Bei Audiolith etwa würde ich zusätzlich die Community-Relevanz betonen — das Label hat eine junge, engagierte Hörerschaft, die experimentelle Formate neugierig annimmt.

    Erste Verhandlungsgespräche: Haltung und Agenda

    In Meetings bin ich konkret und offen. Meine Agenda umfasst:

  • Klärung der Zielsetzung: Was will das Label (Release, Promotion, Imagepflege)? Was wollen die Künstlerinnen (Arbeitszeit, Forschungsfreiraum, Honorar)?
  • Rahmenbedingungen: Raum, Zeit, Technische Anforderungen, PR-Plan.
  • Finanzierung: Wer trägt was? (Honorare, Reisekosten, Produktionskosten, Unterkunft)
  • Rights & Releases: Veröffentlichungsrechte an Audio/Video, Nutzung des Materials durch das Label oder Sender.
  • Eine gute Verhandlungsposition entsteht durch Transparenz: Ich lege offen, welche Kosten nicht verhandelbar sind (z. B. angemessene Gagen für Performerinnen) und wo es Spielraum gibt (z. B. Merchandising-Share).

    Wichtige Vertragsklauseln, die ich nie auslasse

    Ob es ein Memorandum of Understanding (MoU) oder ein detaillierter Vertrag wird — es müssen klare Punkte geregelt sein:

  • Leistungsumfang: Anzahl der Probetage, Dauer der Residency, Deliverables (Live-Show, EP, Dokumentation).
  • Honorare & Zahlungspläne: Gagen, Reisekosten, Tagespauschalen, Fälligkeit der Zahlungen.
  • Rechtevergabe: Wer besitzt die Masteraufnahmen? Wer darf Videomaterial verwenden? Ich bevorzuge gemeinsame Nutzungsrechte mit zeitlich/territorial begrenzten Exklusivitäten.
  • Haftung & Versicherung: Schutz bei Verletzungen (besonders wichtig bei tanzenden Athletinnen) und Equipment-Schäden.
  • Produktion & Technische Verantwortung: Welche Partei stellt Sound-Equipment, Licht, Tanzboden? Wer zahlt Technikerinnen?
  • Promotion & Reporting: PR-Verantwortlichkeiten, Social‑Media-Pläne, Reporting nach Abschluss (Audience-Zahlen, Pressestimmen).
  • Finanzierungsmodelle und Budgetbeispiel

    Ich setze in der Regel auf eine Mischfinanzierung: Label-Beitrag + Fördermittel (z. B. Pro Helvetia, regionale Kulturstiftungen) + Ticketing/Verkauf. Manchmal ist Crowdfunding oder eine Partnerschaft mit Sportinstitutionen möglich, wenn die athletische Komponente betont wird.

    PostenBeispielbetrag (CHF)
    Gagen (2 Komponistinnen + 3 Tänzerinnen, Gesamt)12'000
    Produktionskosten (Miete Studio, Technik)6'000
    Reise & Unterkunft2'000
    Marketing & Promotion1'500
    Aufnahme & Mixing3'000
    Reserve (10%)2'350
    Gesamt26'850

    Diese Tabelle dient als Orientierung. Bei Verhandlungen mit einem Label kläre ich früh, welchen Betrag sie unmittelbar tragen und wo Förderanträge eingereicht werden müssen.

    Auswahl der Partnerinnen im Label: Worauf ich achte

    Nicht jedes Label passt zu jeder Residency. Ich schaue auf:

  • Musikalische Offenheit: Unterstützt das Label experimentelle Formate?
  • Netzwerk & Reichweite: Kann das Label Shows, DJs, Clubs vermitteln?
  • Erfahrung mit visuellen Releases: Gibt es bereits audiovisuelle Veröffentlichungen?
  • Organisatorische Professionalität: Kommunikationstempo, Vertragsklarheit.
  • Logistik: Raum, Technik und Sicherheit

    Für tanzende Athletinnen ist ein geeigneter Boden zentral. Ich verhandle im Vorfeld, ob das Label oder ein lokaler Kulturraum den Tanzboden finanziert. Gleiches gilt für Sound- und Monitoring-Systeme, die für elektronisch arbeitende Komponistinnen spezifisch sind (Modular-Setups, PA, Subwoofer).

    Die Sicherheit ist ein eigener Punkt: Ich bestehe auf medizinischer Erstversorgung bei intensiven physischen Sessions und auf Versicherungsnachweisen für alle Beteiligten. Das schützt alle Seiten und ist ein Zeichen von Professionalität gegenüber dem Label.

    PR und Audience-Building: Wie das Label hilft

    Labels wie Audiolith haben oft eine aktive Community. Ich nutze das, indem ich gemeinsame Kommunikationspläne erstelle: Teaser-Videos aus der Residency, Live‑Clips, Podcast-Interviews und eine Release-Strategie (Single, EP, Live-Set). Wichtig ist, dass Künstlerinnen Sichtbarkeit behalten — nicht nur das Labelname im Vordergrund steht.

    Evaluierung und Nachhaltigkeit

    Schon bei Vertragsabschluss verhandle ich Evaluationskriterien: Besucherzahlen, Social‑Media‑Engagement, Presse-Resonanz, aber auch künstlerische Metriken wie neue Arbeitsmethoden oder Folgekooperationen. So kann die Residency in eine längerfristige Partnerschaft münden.

    Wenn du magst, kann ich das Dossier-Template und eine Muster-MoU, die ich in Projekten verwendet habe, anpassen und dir per E‑Mail senden. Auf Secondofestival (https://www.secondofestival.ch) schreibe ich regelmäßig über solche interdisziplinären Projekte — dort findest du auch Berichte über ähnliche Kooperationen und Fördertipps für die Schweiz.