Als Programmverantwortliche, die oft zwischen Bühnen, Studios und Probebühnen pendelt, habe ich mich gefragt: Wie verhandle ich mit einem regionalen Musiklabel (z. B. Audiolith) eine gemeinsame Residenz für tanzende Athletinnen und elektronische Komponistinnen? In diesem Text teile ich meine Erfahrungen, konkrete Schritte und praktische Hinweise — damit aus einer Idee eine realistische, faire und kreative Residency wird.
Warum eine gemeinsame Residency zwischen Tänzerinnen/Athletinnen und elektronischen Komponistinnen?
Mir ist wichtig, dass Residenzen nicht nur Produzieren, sondern auch Experimentieren ermöglichen. Sobald man Tänzerinnen, die physische Präzision und athletische Qualität einbringen, mit elektronischen Komponistinnen verbindet, entstehen Schnittmengen: Klang als Architektur für Bewegung, Bewegung als Modulator elektronischer Klänge. Das Label bringt Reichweite, ein Netzwerk und Produktionsknow-how — und die Residency ermöglicht eine tiefe künstlerische Annäherung.
Vorbereitung: Was klären, bevor ich das Label kontaktiere?
Ich bereite ein kurzes, aber überzeugendes Dossier vor. Darin sollten enthalten sein:
Ich schicke dieses Dossier als PDF zusammen mit einem prägnanten E‑Mail-Anschreiben an passende Ansprechpartnerinnen: A&R, Labelmanagerin oder Künstlerische Leitung. Bei Audiolith etwa würde ich zusätzlich die Community-Relevanz betonen — das Label hat eine junge, engagierte Hörerschaft, die experimentelle Formate neugierig annimmt.
Erste Verhandlungsgespräche: Haltung und Agenda
In Meetings bin ich konkret und offen. Meine Agenda umfasst:
Eine gute Verhandlungsposition entsteht durch Transparenz: Ich lege offen, welche Kosten nicht verhandelbar sind (z. B. angemessene Gagen für Performerinnen) und wo es Spielraum gibt (z. B. Merchandising-Share).
Wichtige Vertragsklauseln, die ich nie auslasse
Ob es ein Memorandum of Understanding (MoU) oder ein detaillierter Vertrag wird — es müssen klare Punkte geregelt sein:
Finanzierungsmodelle und Budgetbeispiel
Ich setze in der Regel auf eine Mischfinanzierung: Label-Beitrag + Fördermittel (z. B. Pro Helvetia, regionale Kulturstiftungen) + Ticketing/Verkauf. Manchmal ist Crowdfunding oder eine Partnerschaft mit Sportinstitutionen möglich, wenn die athletische Komponente betont wird.
| Posten | Beispielbetrag (CHF) |
| Gagen (2 Komponistinnen + 3 Tänzerinnen, Gesamt) | 12'000 |
| Produktionskosten (Miete Studio, Technik) | 6'000 |
| Reise & Unterkunft | 2'000 |
| Marketing & Promotion | 1'500 |
| Aufnahme & Mixing | 3'000 |
| Reserve (10%) | 2'350 |
| Gesamt | 26'850 |
Diese Tabelle dient als Orientierung. Bei Verhandlungen mit einem Label kläre ich früh, welchen Betrag sie unmittelbar tragen und wo Förderanträge eingereicht werden müssen.
Auswahl der Partnerinnen im Label: Worauf ich achte
Nicht jedes Label passt zu jeder Residency. Ich schaue auf:
Logistik: Raum, Technik und Sicherheit
Für tanzende Athletinnen ist ein geeigneter Boden zentral. Ich verhandle im Vorfeld, ob das Label oder ein lokaler Kulturraum den Tanzboden finanziert. Gleiches gilt für Sound- und Monitoring-Systeme, die für elektronisch arbeitende Komponistinnen spezifisch sind (Modular-Setups, PA, Subwoofer).
Die Sicherheit ist ein eigener Punkt: Ich bestehe auf medizinischer Erstversorgung bei intensiven physischen Sessions und auf Versicherungsnachweisen für alle Beteiligten. Das schützt alle Seiten und ist ein Zeichen von Professionalität gegenüber dem Label.
PR und Audience-Building: Wie das Label hilft
Labels wie Audiolith haben oft eine aktive Community. Ich nutze das, indem ich gemeinsame Kommunikationspläne erstelle: Teaser-Videos aus der Residency, Live‑Clips, Podcast-Interviews und eine Release-Strategie (Single, EP, Live-Set). Wichtig ist, dass Künstlerinnen Sichtbarkeit behalten — nicht nur das Labelname im Vordergrund steht.
Evaluierung und Nachhaltigkeit
Schon bei Vertragsabschluss verhandle ich Evaluationskriterien: Besucherzahlen, Social‑Media‑Engagement, Presse-Resonanz, aber auch künstlerische Metriken wie neue Arbeitsmethoden oder Folgekooperationen. So kann die Residency in eine längerfristige Partnerschaft münden.
Wenn du magst, kann ich das Dossier-Template und eine Muster-MoU, die ich in Projekten verwendet habe, anpassen und dir per E‑Mail senden. Auf Secondofestival (https://www.secondofestival.ch) schreibe ich regelmäßig über solche interdisziplinären Projekte — dort findest du auch Berichte über ähnliche Kooperationen und Fördertipps für die Schweiz.