Als ich das erste Mal an einer partizipativen Sportperformance teilnahm, war ich gleichermaßen begeistert und verunsichert: Begeistert von der Nähe zur Aktion, verunsichert, weil ich nicht wusste, wie sicher mein Mitmachen wirklich wäre — für mich und für andere. Seitdem beobachte ich solche Formate genauer und spreche mit Künstlerinnen, Veranstalterinnen und Besucherinnen, um zu verstehen: Wie erkenne ich vorher, ob eine partizipative Sportperformance wirklich sicher und inklusiv für alle Zuschauerinnen ist?

Worauf ich beim Lesen der Veranstaltungsinfos achte

Die Ankündigung ist mein erster Filter. Seriöse Projekte nennen nicht nur Datum, Ort und Uhrzeit, sondern geben Auskunft über:

  • die Art der Partizipation (aktive Teilnahme, Mitgehen, kurze Interaktionen, Zuschauen mit gelegentlichen Einladungen)
  • körperliche Anforderungen (Stehen, Laufen, Heben, minimale Fitnessvoraussetzungen)
  • barrierefreie Zugänglichkeit (stufenloser Zugang, Hörunterstützung, taktile Hinweise)
  • Altersbeschränkungen und Einverständniserklärungen
  • Fehlen diese Informationen, hake ich nach. Veranstalterinnen, die offen kommunizieren, signalisieren mir bereits ein Bewusstsein für Sicherheit und Inklusion.

    Die Rolle der Veranstaltungsfläche und Infrastruktur

    Ort und Infrastruktur sind oft entscheidend. Bei Outdoor-Performances schaue ich mir die Umgebung auf Karten oder in Street View an: Sind Wege eben? Gibt es Sitzmöglichkeiten? Bei Innenräumen frage ich nach Notausgängen, Belüftung und der maximalen Besucherzahl. Besonders wichtig ist für mich die Frage, ob es separate Bereiche für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gibt—nicht als nachträgliche „Lösung“, sondern als integraler Bestandteil der Planung.

    Wie Veranstalterinnen Risiken einschätzen und kommunizieren

    Veranstalterinnen mit Erfahrung arbeiten mit Risikobeurteilungen (risk assessments). Das merkt man an:

  • konkreten Hinweise zu Kleidung und Schuhwerk
  • Informationen zur Haftung und Versicherung
  • Kontaktmöglichkeiten für Rückfragen vorab
  • Wenn ich Zweifel habe, kontaktiere ich die Veranstalterin per E‑Mail oder Telefon. Ihre Reaktion zeigt mir viel: Wird meine Frage ernst genommen? Gibt es klare Antworten? Oder wird auf vage Formulierungen ausgewichen?

    Inklusion bedeutet mehr als barrierefrei

    Inklusion ist nicht nur Rampen und Sitzplätze. Für mich umfasst sie auch:

  • sprachliche Zugänglichkeit (Informationen in mehreren Sprachen oder einfache Sprache)
  • sensorische Rückzugsräume für Menschen mit Reizüberempfindlichkeit
  • geschultes Personal, das auf diverse Bedürfnisse eingehen kann
  • die Möglichkeit, bequeme Rollen in der Performance zu wählen (z. B. passive Mitbeobachterin statt aktiver Teilnehmender)
  • Gute Projekte bieten verschiedene Ebenen der Beteiligung an. So kann jede Person selbst entscheiden, wie viel Nähe sie zur Performance möchte — das erhöht automatisch die Sicherheitswahrnehmung.

    Vor Ort: Was ich beobachte, bevor ich mich entscheide mitzumachen

    Am Veranstaltungsort schaue ich konkret hin:

  • Gibt es eine Einführungsrunde oder ein Briefing für Teilnehmende? Seriöse Formate erklären Abläufe und Risiken im Vorfeld.
  • Sind Ansprechpartnerinnen sichtbar? Helferinnen mit reflektierenden Westen oder klar erkennbaren Namensschildern sind ein gutes Zeichen.
  • Wie ist die Kommunikation? Werden Anweisungen ruhig und deutlich gegeben? Gibt es eine Möglichkeit, jederzeit aus dem Prozess auszusteigen?
  • Wie reagiert das Team auf Unsicherheiten? Verständnis- und deeskalierendes Verhalten zeugen von guter Vorbereitung.
  • Wenn ich während des Briefings Unsicherheit spüre — z. B. bei Hebetechniken oder körpernahen Aktionen — frage ich nach einer alternativen Rolle. Ein guter Veranstalter bietet diese ohne Urteil an.

    Checkliste: Fragen, die ich vor dem Kauf eines Tickets stelle

    Ich habe mir eine kurze Checkliste zusammengestellt, die ich vor dem Ticketkauf durchgehe:

  • Wer ist verantwortlich (Künstlerin, Produzentin, Verein)? Gibt es eine Website und ein Impressum?
  • Gibt es ein Sicherheitskonzept oder Hinweise zu körperlichen Anforderungen?
  • Welche Teilnahmevarianten werden angeboten (aktiv/passiv)?
  • Sind die Räumlichkeiten barrierefrei und gibt es Hilfsangebote (Gebärdensprachdolmetschung, taktile Beschreibungen)?
  • Wie werden sensible Themen (z. B. Körperkontakt, physische Anstrengung) angesprochen?
  • Welche Regeln gelten für Notfälle und medizinische Vorkommnisse?
  • Wenn mindestens fünf dieser Punkte gut beantwortet sind, fühle ich mich meistens wohl mit einem Ticketkauf.

    Die Bedeutung von Transparenz und Vertrauensbildung

    Transparenz schafft Vertrauen. Projekte wie jene von Bewegungsperformances oder partizipativem Sport, die Probenmaterial veröffentlichen, kleine Videos mit Erklärungen oder Erfahrungsberichte früherer Teilnehmender teilen, erleichtern mir die Entscheidung. Plattformen wie Eventbrite oder lokale Kulturkalender dürfen ruhig mehr Pflichtinfos verlangen — das würde allen helfen.

    Was tun, wenn etwas unsicher wirkt?

    Manchmal fühlt sich eine Situation trotz aller Vorbereitung unsicher an. Meine Handlungsoptionen sind dann:

  • Direktes Ansprechen der Verantwortlichen vor Ort
  • Sichere Distanz wahren oder einen Rückzugsort aufsuchen
  • Andere Teilnehmende ansprechen, um zu prüfen, ob es gemeinsame Bedenken gibt
  • Bei akuten Gefährdungen die Veranstaltung verlassen und, wenn nötig, medizinische Hilfe anfordern
  • Mutig finde ich es, Veranstalterinnen nach der Veranstaltung Feedback zu geben — konstruktive Kritik hilft, Risiken in Zukunft besser zu minimieren.

    Meine Erwartungen an die Zukunft partizipativer Sportperformances

    Ich hoffe auf eine Entwicklung, bei der Sicherheit und Inklusion nicht als Zusatz, sondern als Grundprinzip verstanden werden. Das heißt mehr partizipative Formate mit klarer Kommunikation, Schulungen für das Betreuungspersonal, inklusive Design der Räume und digitale Tools für Vorab-Informationen (z. B. barrierefreie Websites, Audio-Descriptions). Technologien wie einfache Orientierungshilfen in Apps oder die Zusammenarbeit mit lokalen Behindertenverbänden können hier viel bewirken.

    Wenn Sie eine Performance organisieren oder besuchen: Fragen Sie nach, bleiben Sie neugierig — und bleiben Sie kritisch. Gute partizipative Erlebnisse erlauben Nähe, ohne Menschen zu gefährden, und bieten immer eine Wahl, wieviel Teilhabe jede Person möchte.