Als ich das erste Mal an einer partizipativen Sportperformance teilnahm, war ich gleichermaßen begeistert und verunsichert: Begeistert von der Nähe zur Aktion, verunsichert, weil ich nicht wusste, wie sicher mein Mitmachen wirklich wäre — für mich und für andere. Seitdem beobachte ich solche Formate genauer und spreche mit Künstlerinnen, Veranstalterinnen und Besucherinnen, um zu verstehen: Wie erkenne ich vorher, ob eine partizipative Sportperformance wirklich sicher und inklusiv für alle Zuschauerinnen ist?
Worauf ich beim Lesen der Veranstaltungsinfos achte
Die Ankündigung ist mein erster Filter. Seriöse Projekte nennen nicht nur Datum, Ort und Uhrzeit, sondern geben Auskunft über:
Fehlen diese Informationen, hake ich nach. Veranstalterinnen, die offen kommunizieren, signalisieren mir bereits ein Bewusstsein für Sicherheit und Inklusion.
Die Rolle der Veranstaltungsfläche und Infrastruktur
Ort und Infrastruktur sind oft entscheidend. Bei Outdoor-Performances schaue ich mir die Umgebung auf Karten oder in Street View an: Sind Wege eben? Gibt es Sitzmöglichkeiten? Bei Innenräumen frage ich nach Notausgängen, Belüftung und der maximalen Besucherzahl. Besonders wichtig ist für mich die Frage, ob es separate Bereiche für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gibt—nicht als nachträgliche „Lösung“, sondern als integraler Bestandteil der Planung.
Wie Veranstalterinnen Risiken einschätzen und kommunizieren
Veranstalterinnen mit Erfahrung arbeiten mit Risikobeurteilungen (risk assessments). Das merkt man an:
Wenn ich Zweifel habe, kontaktiere ich die Veranstalterin per E‑Mail oder Telefon. Ihre Reaktion zeigt mir viel: Wird meine Frage ernst genommen? Gibt es klare Antworten? Oder wird auf vage Formulierungen ausgewichen?
Inklusion bedeutet mehr als barrierefrei
Inklusion ist nicht nur Rampen und Sitzplätze. Für mich umfasst sie auch:
Gute Projekte bieten verschiedene Ebenen der Beteiligung an. So kann jede Person selbst entscheiden, wie viel Nähe sie zur Performance möchte — das erhöht automatisch die Sicherheitswahrnehmung.
Vor Ort: Was ich beobachte, bevor ich mich entscheide mitzumachen
Am Veranstaltungsort schaue ich konkret hin:
Wenn ich während des Briefings Unsicherheit spüre — z. B. bei Hebetechniken oder körpernahen Aktionen — frage ich nach einer alternativen Rolle. Ein guter Veranstalter bietet diese ohne Urteil an.
Checkliste: Fragen, die ich vor dem Kauf eines Tickets stelle
Ich habe mir eine kurze Checkliste zusammengestellt, die ich vor dem Ticketkauf durchgehe:
Wenn mindestens fünf dieser Punkte gut beantwortet sind, fühle ich mich meistens wohl mit einem Ticketkauf.
Die Bedeutung von Transparenz und Vertrauensbildung
Transparenz schafft Vertrauen. Projekte wie jene von Bewegungsperformances oder partizipativem Sport, die Probenmaterial veröffentlichen, kleine Videos mit Erklärungen oder Erfahrungsberichte früherer Teilnehmender teilen, erleichtern mir die Entscheidung. Plattformen wie Eventbrite oder lokale Kulturkalender dürfen ruhig mehr Pflichtinfos verlangen — das würde allen helfen.
Was tun, wenn etwas unsicher wirkt?
Manchmal fühlt sich eine Situation trotz aller Vorbereitung unsicher an. Meine Handlungsoptionen sind dann:
Mutig finde ich es, Veranstalterinnen nach der Veranstaltung Feedback zu geben — konstruktive Kritik hilft, Risiken in Zukunft besser zu minimieren.
Meine Erwartungen an die Zukunft partizipativer Sportperformances
Ich hoffe auf eine Entwicklung, bei der Sicherheit und Inklusion nicht als Zusatz, sondern als Grundprinzip verstanden werden. Das heißt mehr partizipative Formate mit klarer Kommunikation, Schulungen für das Betreuungspersonal, inklusive Design der Räume und digitale Tools für Vorab-Informationen (z. B. barrierefreie Websites, Audio-Descriptions). Technologien wie einfache Orientierungshilfen in Apps oder die Zusammenarbeit mit lokalen Behindertenverbänden können hier viel bewirken.
Wenn Sie eine Performance organisieren oder besuchen: Fragen Sie nach, bleiben Sie neugierig — und bleiben Sie kritisch. Gute partizipative Erlebnisse erlauben Nähe, ohne Menschen zu gefährden, und bieten immer eine Wahl, wieviel Teilhabe jede Person möchte.