Als Kuratorin, die zwischen Tanzstudios, Fitnessräumen und Galerien pendelt, stelle ich mir seit Jahren dieselbe Frage: Wie lässt sich ein hybrides Programm gestalten, das Fitness, Tanz und bildende Kunst wirklich gleichwertig verbindet — und nicht eines dieser Felder zum bloßen Beiwerk degradiert?
Warum überhaupt hybrid?
Für mich liegt der Reiz hybrider Formate genau im Überschuss: körperliche Praxis trifft konzeptuelle Reflexion, Publikum wird zum mitbewegten Publikum, Ausstellungsraum wird zur Arena. In der Schweiz wie international beobachte ich ein wachsendes Interesse an Begegnungen zwischen Performance, Wellnesskultur und visueller Kunst — von Pop-up-Yoga in Museen bis zu partizipativen Tanzinstallationen. Hybrid bedeutet hier nicht nur "nebeneinander", sondern ein echtes Ineinandergreifen von Modalitäten.
Die Grundprinzipien meiner kuratorischen Arbeit
Wenn ich ein Programm plane, richte ich mich an einigen festen Prinzipien aus:
Kuratorischer Ablauf: Von der Idee zur Umsetzung
Mein Prozess beginnt selten mit einem fertigen Konzept. Oft ist es ein Ort, eine Person oder ein Stück Technik (etwa Wearables von Marken wie Fitbit oder Apple Watch), das den Ausgangspunkt bildet. Daraus entwickle ich folgende Schritte:
Raumplanung: Wie Räume miteinander kommunizieren
Ein zentraler Knackpunkt ist der Raum. Ich arbeite gerne mit modularen Architekturen: mobile Trennwände, Bodenmarkierungen, flexible Sitzordnungen. Folgende Optionen haben sich bewährt:
Wichtig ist, dass die Übergänge fließend sind: Besucherinnen können während einer Performance stehen bleiben und zweitweise selbst partizipieren — ohne das Erlebnis der anderen zu stören.
Partizipation: Wie viel Mitmachen ist sinnvoll?
Partizipation ist ein zweischneidiges Schwert. Zu viel verlangt von den Besucherinnen körperliche Expertise, zu wenig lässt das Feld der körperlichen Erfahrung leer. Ich empfehle drei Ebenen anzubieten:
Programmelemente, die funktionieren
Aus meinen Projekten heraus haben sich einige Formate als besonders fruchtbar erwiesen:
Vermittlung und Sprache
Ich lege großen Wert darauf, dass die Vermittlung die hybride Struktur widerspiegelt. Das heißt: kurze, prägnante Texte für den Einstieg; vertiefende Essays für Interessierte; und einfache Bewegungsanleitungen in Bild- und Videoformat. Audioformate — etwa Interviews mit Choreografinnen oder Soundscans — laden außerdem zum Hören und Bewegen ein.
Technik und Barrierefreiheit
Technik ist ein Werkzeug, kein Zweck. In meinen Projekten nutze ich:
Barrierefreiheit plane ich von Anfang an: taktile Markierungen, einfache Sprache, Sitzmöglichkeiten, Gebärdensprachdolmetschung bei Performances und Audio-Deskription für visuelle Arbeiten. Diese Maßnahmen öffnen das Programm — und verbessern es für alle.
Finanzierung und Partnerschaften
Hybride Formate sind oft teurer als konventionelle Ausstellungen. Ich kombiniere mehrere Finanzierungsquellen:
Wichtig ist, die Partnerschaften transparent zu machen — wer finanziert was und ob Inhalte dadurch beeinflusst werden könnten.
Evaluation: Wie messe ich Erfolg?
Ich messe Erfolg nicht nur in Besucherzahlen. Wichtige Indikatoren sind:
Ich sammele Daten über Umfragen, Videoaufzeichnungen (nur mit Einwilligung) und Gesprächsprotokolle aus den Lab-Phasen. Diese Erkenntnisse fließen in Folgeprojekte ein.
Drei praktische Tipps zum Schluss
Zum Abschluss — ohne abschließen zu wollen — gebe ich drei pragmatische Hinweise, die sich in meinen Projekten wiederholt bewährt haben:
Bei allen Projekten ist mir eins besonders wichtig: Respekt vor den Körpern, die Teil des Programms sind. Ob sie professionell oder Laien sind — die Kuratorin muss sichere Rahmenbedingungen schaffen, die künstlerische Freiheit ermöglichen und zugleich körperliche Integrität schützen. So entsteht ein hybrides Programm, das Fitness, Tanz und bildende Kunst nicht nur nebeneinanderstellt, sondern in einen fruchtbaren Dialog bringt.