Als Kulturjournalistin und Gründerin von Secondofestival suche ich immer wieder nach Ansprechpartnern, wenn es um Projekte an der Schnittstelle von Bewegungskunst (Tanz, Performance, physische Theaterformen) und bildender Kunst geht. Die Schweiz bietet ein dichtes Netz an Förderstellen — national, kantonal und lokal — doch es ist gar nicht immer offensichtlich, welche Fonds interdisziplinelle Projekte wirklich ernst nehmen. In diesem Text teile ich meine praktische Vorgehensweise, nützliche Adressen und Tipps, wie du regionale Förderstellen und Stiftungen findest und deine Chancen auf Unterstützung erhöhst.
Wo ich anfange: Systematisch suchen statt zufällig hoffen
Mein erster Schritt ist immer, die Suche zu strukturieren: Ich unterscheide zwischen nationalen Förderern, kantonalen Ämtern, kommunalen Kulturstellen, Stiftungen und privaten Mäzenaten. Für interdisziplinäre Vorhaben lohnt es sich, alle Ebenen zu prüfen — gerade regionale Stiftungen sind häufig offen für Grenzgängerinnen und Grenzgänger zwischen den Künsten.
- National: Pro Helvetia, Migros-Kulturprozent, Schweizer Lotteriefonds
- Kantonale Kulturämter: Kulturförderung der jeweiligen Kantone (z. B. Kanton Zürich Kultur, Kanton Bern Kultur)
- Kommunal: Stadt- und Gemeindekulturfonds (z. B. Stadt Zürich Kultur, Kulturförderung Basel-Stadt)
- Private Stiftungen: Ernst Göhner Stiftung, regionaler Mäzene und Stiftungsnetzwerke
- Branchenspezifische Fonds: Tanz- und Performance-Residenzen, Projektfonds für bildende Kunst
Konkrete Adressen und Plattformen, die mir oft helfen
Ein paar Institutionen und Websites, die ich regelmässig nutze:
| Förderer / Plattform | Warum ich ihn prüfe | Link |
|---|---|---|
| Pro Helvetia | Nationaler Kulturförderer mit Programmen für interdisziplinäre Projekte, Residenzen und internationale Vernetzung. | https://www.prohelvetia.ch |
| Migros-Kulturprozent | Unterstützt oft unkonventionelle, partizipative und interdisziplinäre Projekte in der Lokalkultur. | https://kulturprozent.migros.ch |
| Swisslos / Lotteriefonds | Finanziert Kulturprojekte auf kantonaler Ebene; oft relevante Projektförderung. | https://www.swisslos.ch |
| SwissFoundations | Verzeichnis und Informationen zu Stiftungen in der Schweiz — ein guter erster Überblick über potenzielle Mäzene. | https://swissfoundations.ch |
| Ernst Göhner Stiftung | Regionale und kulturelle Förderung, besonders bei Projekten mit regionalem Mehrwert. | https://www.ernst-goehner-stiftung.ch |
Wie ich regionale Stiftungen finde
Die grossen Namen sind wichtig — aber oft bekomme ich die spannendsten Projekte durch kleinere, lokale Stiftungen oder durch kommunale Kulturfonds.
- Suchen im Stiftungsverzeichnis: SwissFoundations und kantonale Verzeichnisse listen viele private Stiftungen mit Angaben zum Tätigkeitsfeld.
- Kantonale Webseiten: Auf den Seiten der Kulturämter (z. B. Kanton Zürich, Kanton Bern) sind oft Förderprogramme und Listen mit regionalen Partnern aufgeführt.
- Regionale Stiftungsdatenbanken: Manche Kantone oder Gemeinden betreiben eigene Übersichten mit lokalen Förderern.
- Netzwerke und Festivals: Fragen bei regionalen Festivals, Kunsthäusern und Performance-Räumen — sie kennen lokale Mäzene und Stiftungen, die gern interdisziplinär fördern.
Was Förderer konkret interessiert — aus meiner Erfahrung
Wenn ich Bewerbungen begleite oder für meine eigenen Projekte skizziere, fokussiere ich mich auf drei Punkte, die viele Förderstellen als besonders relevant nennen:
- Mehrwert für die Region: Zeige, wie das Projekt lokale Communities, Publikum oder andere Künstlerinnen und Künstler einbindet.
- Interdisziplinäre Relevanz: Beschreibe klar, wie Bewegung und bildende Kunst sich produktiv gegenseitig befruchten — nicht nur als Anhängsel, sondern als echtes Zusammenspiel.
- Nachhaltigkeit und Wirkung: Skizziere, welche nachhaltigen Effekte entstehen (Publikumsaufbau, Dokumentation, Weiterbildungsangebote, Kooperationen).
Praktische Tipps für die Antragsstrategie
Ich habe einige Methoden entwickelt, die sich bewährt haben:
- Localize your ask: Passe das Gesuch an die Schwerpunkte der jeweiligen Stiftung an. Eine kantonale Kulturstiftung will oft klaren regionalen Nutzen sehen; eine private Stiftung vielleicht Innovation.
- Partnerschaften: Kooperationspartner (Galerien, Tanzkompanien, Schulen) erhöhen Glaubwürdigkeit und zeigen, dass das Projekt breit verankert ist.
- Budgetdetails: Stelle ein realistisches Budget mit klaren Positionen (Gagen, Raumkosten, Material, Dokumentation). Viele Stiftungen prüfen genau die Professionalität der Buchführung.
- Residenzen als Türöffner: Kurze Residenzen in Kulturhäusern oder Werkstätten sind oft einfacher zu finanzieren und schaffen eine erfolgreiche Projektstory für Folgeförderungen.
- Frühzeitig Kontakt aufnehmen: Ich rufe an oder vereinbare Treffen mit Ansprechpersonen, bevor ich den Antrag einreiche — so erfahre ich Erwartungen und vermeide Fehltritte.
Wie ich lokale Netzwerke nutze
Oft sind es persönliche Empfehlungen, die Türen öffnen. Ich nehme regelmäßig an Runden, Gesprächsformaten und Do-it-yourself-Meetups teil (z. B. in Off-Räumen oder Kulturzentren). Empfehlungen von Kuratorinnen, Tanzschaffenden oder Galeristinnen helfen, bei Stiftungen auf dem Radar zu landen.
Auch digitale Kanäle nutze ich: Newsletter von Pro Helvetia, Migros-Kulturprozent und kantonalen Kulturämtern sowie LinkedIn- und Facebook-Gruppen für Kulturschaffende liefern Hinweise auf Ausschreibungen und Deadlines.
Beispiele für Projektideen, die gut ankommen
Aus meiner Erfahrung sind das Formate, die oft Förderungen erhalten:
- Partizipative Performances, die urbanen Raum mit bildender Intervention verbinden (z. B. temporäre Skulpturen, die in Bewegung gebracht werden)
- Residenzprojekte, bei denen bildende Künstlerinnen mit Tänzerinnen zusammenarbeiten und als Ergebnis Ausstellung + Performance schaffen
- Workshops in Schulen oder Altersheimen, die Bewegung als künstlerisches Werkzeug mit bildnerischer Praxis verbinden
- Dokumentations- und Vermittlungsprojekte, die Grenzen zwischen künstlerischer Forschung und Publikumskommunikation überschreiten
Wenn du magst, kann ich dir beim Mapping konkreter Förderer für dein Projekt helfen: Nenne mir Kanton, kurze Projektbeschreibung, Budgetrahmen und Timeline — dann schaue ich, welche regionalen Stiftungen und Fonds am besten passen und formuliere Vorschläge für die Ansprache.