Residencies für tanzende Athletinnen — ob aus dem Spitzensport oder aus dem urbanen Dance-Bereich — sind für mich ein Schlüsselelement, um Körper, Performance und Forschung zusammenzubringen. Doch wie lassen sich diese Aufenthalte langfristig finanzierbar machen, besonders wenn ich als Festivalmacherin mit lokalen Sportschulen zusammenarbeiten möchte? In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen, Strategien und konkrete Praxisbeispiele, die zeigen, wie Kooperationen zwischen Kultur und Sport tragfähig gestaltet werden können.

Warum die Zusammenarbeit mit Sportschulen sinnvoll ist

Ich habe früh erkannt, dass Sportschulen mehr bieten als Trainingshallen: Sie verfügen über Infrastruktur, Expertise in Körperarbeit, Netzwerke zu Sponsorinnen und oft auch zu Kommunen oder Stiftungen. Für Tanzresidenzen heißt das konkret:

  • Zugang zu Räumen: Hallen, Matten, Kraft- und Reha-Equipment, die sonst teuer wären.
  • Fachwissen: Physiotherapeutinnen, Trainer, Ernährungsberaterinnen, die das Projekt sportmedizinisch absichern können.
  • Gemeinsame Zielgruppen: Sportlerinnen sind potenzielle Zuschauerinnen, Teilnehmende an Workshops und Multiplikatorinnen.

Partnerschaftliche Modelle, die ich erprobt habe

Es gibt nicht das eine Modell. Ich arbeite mit mehreren Varianten, je nach Größe des Festivals, der lokalen Struktur und den Zielen der Residency:

  • Raummiete gegen Programmleistungen: Die Sportschule stellt Räume kostenlos oder vergünstigt zur Verfügung; im Gegenzug bieten die Tänzerinnen Workshops für Athletinnen oder Performance-Sessions an.
  • Shared Funding: Gemeinsam akquirieren wir Fördergelder—die Sportschule beantragt Sportfördermittel, ich Kulturförderung; oft klappt eine Doppelbeantragung, bei der sich Budgets ergänzen.
  • Sponsorings und In-Kind-Leistungen: Lokale Sportmarken (z. B. On Running in der Schweiz, oder nationale Sportvereine) geben Material oder finanzielle Unterstützung für Sichtbarkeit und CSR-Ziele.
  • Residency als Fortbildung: Die Sportschule erkennt die Residency als Weiterbildung an und beteiligt sich finanziell an Personal- und Infrastrukturkosten.

Praxis: Wie ich Gespräche mit Sportschulen beginne

Beim ersten Kontakt versuche ich, die Bedürfnisse der Sportschule zu verstehen, statt meine Agenda durchzudrücken. Meine Gesprächsstruktur sieht so aus:

  • Vorstellung des Residency-Konzepts in einem One-Pager.
  • Konkrete Leistungen, die die Schule erhält (z. B. Workshops, Aufmerksamkeit, Möglichkeit, Teil einer künstlerischen Evaluation zu sein).
  • Transparente Kostenaufstellung und Vorschläge für die Kostenaufteilung.
  • Vorschläge zur gemeinsamen Akquise (wer beantragt welche Fördermittel, welche Unterlagen braucht es).

Offenheit schafft Vertrauen: Ich lege Budgets und gewünschte Outcomes offen – und höre aufmerksam, welche Zielsetzungen die Sportschule verfolgt (Leistungssport, Gesundheitssport, Jugendarbeit).

Finanzierungsquellen und wie ich sie kombiniere

Langfristige Finanzierbarkeit ergibt sich oft aus der Mischung verschiedener Geldgeber. Ich benutze gern eine Tabelle, um zu zeigen, wie sich ein Residency-Budget zusammensetzt:

Quelle Beitrag In-Kind / Zweck
Kulturförderung (Kanton, Gemeinde) 30–50% Honorare, Gastkünstlerinnen
Sportförderung / Stiftungen 20–30% Raumkosten, therapeutische Betreuung
Sponsoren (Sportmarken, lokale Unternehmen) 10–20% Material, Öffentlichkeitsarbeit
Teilnehmer*innenbeiträge / Workshops 5–15% Workshops, Community Events
In-Kind (Sportschule) variabel Räume, Trainer*innen, medizinische Betreuung

Dieses Gemisch verringert die Abhängigkeit von einer einzelnen Geldquelle und macht das Projekt widerstandsfähiger gegenüber Förderrückgängen.

Gute Kommunikation zwischen Kultur und Sport sicherstellen

Gegenüber Sportinstitutionen betone ich oft den Nutzen: bessere Athletinnen durch tänzerische Körperarbeit, gesteigerte Sichtbarkeit, neue Publika. Gleichzeitig erkläre ich, wie künstlerische Prozesse Zeit und Raum brauchen. Um Missverständnisse zu vermeiden, setze ich folgende Tools ein:

  • Kooperationsvertrag: Kurz, klar, mit definierten Leistungen, Haftungsfragen und Kommunikationsregeln.
  • Regelmäßige Check-ins: Wöchentliche Kurze-Mails während der Residency, monatliche Review-Meetings bei längeren Partnerschaften.
  • Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit: Gemeinsame Pressetexte, Social-Media-Kampagnen und Logo-Partnerschaften machen die Zusammenarbeit sichtbar und attraktiv für Sponsoren.

Programme, die Mehrwert schaffen

Damit die Residency mehr ist als ein Luxus für die Künstlerinnen, entwickle ich Mehrwert-Formate:

  • Interdisziplinäre Workshops: Tanztechniken für Athletinnen, Rückenschulung, Bewegungsforschung.
  • Open Studio Days: Öffentlichkeit und Sportschülerinnen können Proben besuchen, was die Akzeptanz erhöht.
  • Mentorship: Erfahrene Trainerinnen aus der Sportschule begleiten die Residency und profitieren im Austausch von künstlerischen Methoden.
  • Evaluation und Dokumentation: Kurzfilme, Bewegungsanalysen oder Publikationen, die als Referenz für Folgeanträge dienen.

Erfolgsfaktoren und Stolperfallen

Aus meiner Praxis haben sich einige Faktoren als entscheidend erwiesen:

  • Langfristige Perspektive: Ein einmaliger Versuch wirkt nicht nachhaltig. Ich plane Kooperationen mindestens für 2–3 Jahre.
  • Transparenz: Offene Budgets und klare Zielvereinbarungen schaffen Vertrauen.
  • Partizipation: Sportschule und Athletinnen sollen Mitgestalterinnen sein, nicht nur Gastgeberinnen.
  • Realistische Budgets: Unterschätze nicht die Kosten für Betreuung, Versicherungen und Infrastruktur.

Zu den Stolperfallen gehört, dass Kultur- und Sportförderer oft in getrennten Fördertöpfen denken. Deshalb ist meine Empfehlung, frühzeitig Förderdossiers nebeneinander zu legen und den Mehrwert für beide Seiten explizit zu formulieren.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis

In einem meiner Projekte arbeitete ich mit einer regionalen Sportschule zusammen, die einen Elite-Nachwuchs im Geräteturnen betreut. Wir entwickelten eine sechswöchige Residency, in der Turnerinnen mit Tänzerinnen an Ausdruck, Haltung und Verletzungsprophylaxe arbeiteten. Die Sportschule stellte eine Halle, Physiotherapeutinnen und zwei Trainerinnen zur Verfügung; ich organisierte die Künstlerinnenhonorare und die Öffentlichkeitsarbeit. Finanzierungsquellen waren ein Kulturkredit der Gemeinde, ein Sport-Förderfonds und ein lokaler Sponsor, der Trainingsbekleidung zur Verfügung stellte.

Das Ergebnis: Die Turnerinnen berichteten von verbesserter Körperwahrnehmung, die Residency wurde als Fortbildung anerkannt und in Jahr zwei konnten wir die Dauer verlängern — weil die Wirkung dokumentiert und damit neue Förderer überzeugt wurden.

Wenn Sie Fragen haben oder konkrete Kooperationsideen diskutieren möchten, schreiben Sie mir gern — ich tausche mich immer gerne aus und unterstütze bei Anträgen, Konzeptionen oder Vernetzung mit lokalen Sportschulen.