Als Kulturjournalistin, die mit neugierigen Augen auch auf die Schnittstellen von Sport und Kunst schaut, bekomme ich oft dieselbe Frage: Welche lokalen Sportlabels oder Vereine fördern künstlerische Residencies — und wie spreche ich sie konkret an? Die kurze Antwort lautet: Es gibt kein einheitliches Verzeichnis, aber zahlreiche Wege und gute Argumente, um Sportakteure als Gastgeber oder Partner für künstlerische Aufenthalte zu gewinnen. In diesem Beitrag teile ich praktische Beispiele von Trägerprofilen, Strategien, konkrete Ansprache-Texte und eine einfache Checkliste, damit du rasch und professionell vorgehen kannst.
Wen meine ich mit „Sportlabels oder Vereine“?
Wenn ich von Sportakteuren spreche, meine ich verschiedene Typen, die alle Potenzial für künstlerische Residencies haben:
Alle diese Akteure haben Räume, Zielgruppen und oft ein Interesse an regionaler Präsenz — das macht sie potenziell zu wertvollen Partnern für künstlerische Aufenthalte. Wichtig ist, dass du dich auf die jeweilige Logik des Partners einstellst: Community-Engagement, Nachwuchsförderung, Imagepflege oder ein konkreter Platzbedarf können unterschiedliche Einstiegspunkte sein.
Warum sollten Sportakteure Residencies fördern?
Wenn ich mit Verantwortlichen spreche, höre ich immer wieder ähnliche Motivationen:
Diese Argumente solltest du in deiner Ansprache konkret machen — aber immer mit einem Benefit für den Partner: Was gewinnt der Verein konkret durch die Residency?
Konkrete Beispiele von Kooperationsformen
Aus meiner Recherche und Gesprächen ergeben sich typische Modelle:
Diese Formate eignen sich besonders für Vereine, weil sie einen direkten Nutzen für Mitglieder bieten und mit geringen Investitionen umgesetzt werden können.
Wie spreche ich Sportvereine konkret an? Schritt-für-Schritt
Ich habe eine Methode entwickelt, die einfach, respektvoll und effektiv ist — sie besteht aus fünf Schritten:
Beispiel: Einfaches Anschreiben (E-Mail-Vorlage)
Ich nutze oft eine kurze, persönliche E-Mail, die so aufgebaut ist:
| Betreff | Kooperationsanfrage: Künstlerische Residency / Workshop im Clubhaus |
| Anrede | Liebe/r [Name], |
| Einleitung | Ich bin [Name], Künstler*in / Kurator*in aus [Ort]. Ich arbeite zurzeit an einem Projekt, das Bewegung, Performance und lokale Communities verbindet. |
| Warum dieser Verein? | Ihr Verein / Ihre Räume interessieren mich besonders, weil [konkreter Grund: Jugendarbeit, Lage, frühere Projekte]. |
| Das Angebot | Ich schlage eine 2‑wöchige Residency vor (inkl. 2 Workshops für Jugendliche und eine Abschlusspräsentation). Raumbedarf: Vereinsheim / Halle / Aussenbereich. Budget / Tausch: Raum + Öffentlichkeitsarbeit gegen Workshops. |
| Nutzen | Für den Verein: neue Angebote für Mitglieder, mediale Sichtbarkeit, Fortbildungsmöglichkeiten. |
| Call to action | Hätten Sie Zeit für ein kurzes Kennenlerngespräch vor Ort in den nächsten zwei Wochen? Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. |
| Gruss | [Name] / Kontakt |
Was im Gespräch wichtig ist
Wenn ich Vorstände oder Clubmanager treffe, achte ich auf folgende Punkte:
Finanzierung und Tauschmodelle
Viele Projekte funktionieren nicht über reine Geldzahlungen, sondern über kreative Tauschmodelle:
Hinweis: Pro Helvetia fördert interdisziplinäre Projekte und künstlerische Mobilität; lokale Kulturförderstellen der Kantone haben oft Programme für Vermittlung und Kooperationen. Es lohnt sich, Fördergeber früh ins Gespräch einzubeziehen.
Checkliste für die erste Kontaktaufnahme
| Check | Erledigt |
| Verein recherchiert (Ziele, Räume) | |
| Konkretes Format skizziert | |
| Nutzen für Verein formuliert | |
| Budget / Tauschmodell vorgeschlagen | |
| Termin für Kennenlerngespräch angeboten |
Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn Projekte klein beginnen: ein Workshop, eine einwöchige Präsenz oder eine Abendpräsentation. Das senkt die Schwelle für Vereine, schafft Vertrauen und liefert oft die Basis für langfristigere Kooperationen.
Wenn du möchtest, kann ich dir beim Verfassen einer individuellen E-Mail helfen oder ein kurzes Pitch-Dossier für ein konkretes Projekt erstellen — sag mir kurz, um welches Format und welche Region es geht, und ich formuliere einen passgenauen Text.