Als Kulturjournalistin, die mit neugierigen Augen auch auf die Schnittstellen von Sport und Kunst schaut, bekomme ich oft dieselbe Frage: Welche lokalen Sportlabels oder Vereine fördern künstlerische Residencies — und wie spreche ich sie konkret an? Die kurze Antwort lautet: Es gibt kein einheitliches Verzeichnis, aber zahlreiche Wege und gute Argumente, um Sportakteure als Gastgeber oder Partner für künstlerische Aufenthalte zu gewinnen. In diesem Beitrag teile ich praktische Beispiele von Trägerprofilen, Strategien, konkrete Ansprache-Texte und eine einfache Checkliste, damit du rasch und professionell vorgehen kannst.

Wen meine ich mit „Sportlabels oder Vereine“?

Wenn ich von Sportakteuren spreche, meine ich verschiedene Typen, die alle Potenzial für künstlerische Residencies haben:

  • lokale Sportvereine (Amateurvereine, Fussball-, Turn-, Leichtathletikclubs),
  • professionelle Sportclubs mit Community- oder CSR-Abteilungen,
  • Sportstiftungen und -fonds (z. B. Stiftungen von Clubs oder ehemaligen Athletinnen/athleten),
  • Sportunternehmen und Marken mit regionaler Präsenz (Sportfachgeschäfte, Fitnessketten),
  • kommunale Sportämter, Sportzentren und Hallenbetreiber.
  • Alle diese Akteure haben Räume, Zielgruppen und oft ein Interesse an regionaler Präsenz — das macht sie potenziell zu wertvollen Partnern für künstlerische Aufenthalte. Wichtig ist, dass du dich auf die jeweilige Logik des Partners einstellst: Community-Engagement, Nachwuchsförderung, Imagepflege oder ein konkreter Platzbedarf können unterschiedliche Einstiegspunkte sein.

    Warum sollten Sportakteure Residencies fördern?

    Wenn ich mit Verantwortlichen spreche, höre ich immer wieder ähnliche Motivationen:

  • Community-Bindung: Kulturangebote verstärken die lokale Verwurzelung des Vereins.
  • Soziale Innovation: Kunstprojekte können integrative, generationsübergreifende Formate ermöglichen.
  • Image & Sichtbarkeit: Medienwirksame Projekte bringen Aufmerksamkeit für Sponsorinnen und Sponsorende.
  • Nutzungsoptimierung: Hallen, Clubräume oder Außenanlagen werden ausser Trainingszeiten aktiv genutzt.
  • Diese Argumente solltest du in deiner Ansprache konkret machen — aber immer mit einem Benefit für den Partner: Was gewinnt der Verein konkret durch die Residency?

    Konkrete Beispiele von Kooperationsformen

    Aus meiner Recherche und Gesprächen ergeben sich typische Modelle:

  • Residenz mit öffentlicher Präsentation: Künstler*innen arbeiten vor Ort und zeigen am Ende eine Performance, Ausstellung oder Intervention im Clubhaus oder auf dem Sportgelände.
  • Workshop-Residency: Die Künstler*innen bieten Workshops für Vereinsmitglieder (z. B. Bewegungs- und Körperarbeit, performative Trainings, Sound-Workshops).
  • Lab für Performance & Sport: Gemeinsame Forschung zwischen Trainer*innen und Künstler*innen — etwa zu Körperwahrnehmung, Publikumserfahrung oder Materialnutzung.
  • Artist-in-Residence als Coach/Animator: Künstler*innen begleiten Ferienlager, Jugendtrainings oder community events.
  • Diese Formate eignen sich besonders für Vereine, weil sie einen direkten Nutzen für Mitglieder bieten und mit geringen Investitionen umgesetzt werden können.

    Wie spreche ich Sportvereine konkret an? Schritt-für-Schritt

    Ich habe eine Methode entwickelt, die einfach, respektvoll und effektiv ist — sie besteht aus fünf Schritten:

  • 1. Recherche: Kenne den Verein: Grösse, Zielgruppen, Vereinsheim, Vorstandsstruktur, frühere Kulturprojekte.
  • 2. Relevanz herstellen: Formuliere in einem Satz, warum gerade dieser Verein ein passender Partner wäre (z. B. «Ihr Jugendzentrum und die Halle bieten ideale Räume für interaktive Performances mit Jugendlichen.»).
  • 3. Konkretes Angebot: Beschreibe ein konkretes Format, Dauer der Residency, Raumbedarf und ein realistisches Budget oder Tauschleistungen (z. B. Raum gegen Workshop).
  • 4. Nutzen klar benennen: Was gewinnt der Verein? Mehr Mitgliederbindung, neue Zielgruppen, mediale Aufmerksamkeit, Fortbildung für Trainer*innen.
  • 5. Niederschwelliges erstes Treffen: Schlage ein kurzes, unverbindliches Kennenlerngespräch vor (30 Minuten), idealerweise vor Ort.
  • Beispiel: Einfaches Anschreiben (E-Mail-Vorlage)

    Ich nutze oft eine kurze, persönliche E-Mail, die so aufgebaut ist:

    BetreffKooperationsanfrage: Künstlerische Residency / Workshop im Clubhaus
    AnredeLiebe/r [Name],
    EinleitungIch bin [Name], Künstler*in / Kurator*in aus [Ort]. Ich arbeite zurzeit an einem Projekt, das Bewegung, Performance und lokale Communities verbindet.
    Warum dieser Verein?Ihr Verein / Ihre Räume interessieren mich besonders, weil [konkreter Grund: Jugendarbeit, Lage, frühere Projekte].
    Das AngebotIch schlage eine 2‑wöchige Residency vor (inkl. 2 Workshops für Jugendliche und eine Abschlusspräsentation). Raumbedarf: Vereinsheim / Halle / Aussenbereich. Budget / Tausch: Raum + Öffentlichkeitsarbeit gegen Workshops.
    NutzenFür den Verein: neue Angebote für Mitglieder, mediale Sichtbarkeit, Fortbildungsmöglichkeiten.
    Call to actionHätten Sie Zeit für ein kurzes Kennenlerngespräch vor Ort in den nächsten zwei Wochen? Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.
    Gruss[Name] / Kontakt

    Was im Gespräch wichtig ist

    Wenn ich Vorstände oder Clubmanager treffe, achte ich auf folgende Punkte:

  • Sprich die Sprache des Gegenübers: weniger Kunstjargon, mehr «Was bringt es dem Verein?»
  • Sei flexibel bei Raum- und Zeitnutzung — Vereine haben feste Trainingszeiten.
  • Stelle kleine, realisierbare Schritte in Aussicht (Pilotprojekt statt gross angelegter Residency).
  • Zeige Beispiele und Referenzen, falls vorhanden (Bilder, kurze Dossiers, Pressestimmen).
  • Klare Verantwortung: Wer kümmert sich um Versicherung, Betreuung, Auf-/Abbau?
  • Finanzierung und Tauschmodelle

    Viele Projekte funktionieren nicht über reine Geldzahlungen, sondern über kreative Tauschmodelle:

  • Raum gegen Workshops: Der Verein stellt Raum, du bietest Programm für Mitglieder.
  • Mediale Gegenleistung: Du übernimmst Berichterstattung, Social-Media-Promotion oder eine Foto-Dokumentation.
  • Externe Fördermittel: Gemeinsame Beantragung bei Kulturstiftungen, Kantonen oder beim Bund (z. B. Pro Helvetia), die interdisziplinäre Projekte unterstützen.
  • Hinweis: Pro Helvetia fördert interdisziplinäre Projekte und künstlerische Mobilität; lokale Kulturförderstellen der Kantone haben oft Programme für Vermittlung und Kooperationen. Es lohnt sich, Fördergeber früh ins Gespräch einzubeziehen.

    Checkliste für die erste Kontaktaufnahme

    CheckErledigt
    Verein recherchiert (Ziele, Räume)
    Konkretes Format skizziert
    Nutzen für Verein formuliert
    Budget / Tauschmodell vorgeschlagen
    Termin für Kennenlerngespräch angeboten

    Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn Projekte klein beginnen: ein Workshop, eine einwöchige Präsenz oder eine Abendpräsentation. Das senkt die Schwelle für Vereine, schafft Vertrauen und liefert oft die Basis für langfristigere Kooperationen.

    Wenn du möchtest, kann ich dir beim Verfassen einer individuellen E-Mail helfen oder ein kurzes Pitch-Dossier für ein konkretes Projekt erstellen — sag mir kurz, um welches Format und welche Region es geht, und ich formuliere einen passgenauen Text.