In Zürich gibt es eine wachsende Szene von Sportperformances, die nicht nur athletische Fähigkeiten feiern, sondern auch bewusst inklusiv gestaltet werden. Doch wie finde ich diese Angebote wirklich — und woran erkenne ich, ob ein Event tatsächlich inklusiv ist oder nur inklusionsfreundlich klingt? In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen, konkrete Tipps und eine kleine Prüfliste, damit du künftig souverän entscheiden kannst, welche Veranstaltungen deine Zeit und Solidarität verdienen.

Warum mir Inklusion bei Sportperformances wichtig ist

Ich gehe nicht nur gern zu Theater- und Tanzaufführungen, sondern auch zu Cross-Performance-Events, Rollstuhl-Basketball-Spielen, inklusive Parkour-Shows und barrierefreien Laufprojekten. Mir geht es dabei um mehr als reine Teilnahme: inklusive Sportperformances zeigen andere Körperbilder, brechen Erwartungshaltungen auf und öffnen Räume für Dialog. Wenn Inklusion aber nur auf dem Poster steht, entsteht Enttäuschung — für das Publikum wie für die beteiligten Künstler*innen.

Wo suche ich zuerst?

Meine erste Anlaufstelle sind lokale Netzwerke und Plattformen, die tatsächlich in inklusiver Arbeit verwurzelt sind. In Zürich lohnt sich ein Blick auf die Websites und Social-Media-Kanäle folgender Akteur*innen:

  • Procap Kultur — informiert über Kulturprojekte mit und für Menschen mit Behinderung.
  • Gleichstellungseinrichtungen der Stadt Zürich — oft mit Listen für barrierefreie Angebote.
  • Offspace- und Community-Boards wie Rote Fabrik oder Dynamo — dort laufen häufig experimentelle, inklusive Projekte.
  • Sportvereine mit inklusivem Schwerpunkt, z. B. Special Olympics Schweiz oder lokale Rollstuhl-Sportgruppen.
  • Zusätzlich schaue ich bei den grossen Veranstaltungsplattformen (Eventfrog, Ticketcorner), filtere aber kritisch: Stichworte wie "inklusive Aufführung" allein reichen nicht.

    Woran erkenne ich echte Inklusion — meine Checkliste vor dem Ticketkauf

    Ich habe eine kleine, selbstbewährte Checkliste, die mir hilft, echte Inklusion zu erkennen. Wenn mehrere Punkte erfüllt sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Performance wirklich zugänglich und partizipativ gedacht ist.

  • Barriereinformation: Sind Informationen zu Zugängen, Sitzplätzen, WC, Parkplätzen und Begleitpersonen klar und sichtbar auf der Veranstaltungsseite?
  • Kommunikation in mehreren Formaten: Gibt es Programme oder Broschüren in grosser Schrift, Braille oder als PDF? Werden Inhalte vorab per Video mit Untertitel angeboten?
  • Untertitel / Live-Captioning: Werden Aufführungen mit Untertiteln oder Live-Captions versehen? Gibt es Gebärdensprachdolmetschung?
  • Sensory-friendly Optionen: Bietet das Event eine sensorisch angepasste Vorstellung (leisere Töne, weniger Blitzlicht, Rückzugsräume)?
  • Preisgestaltung: Gibt es ermässigte oder solidarische Tarife, inklusive Freikarten für Assistenzpersonen?
  • Inklusion im Künstler*innen-Team: Sind Menschen mit Behinderungen sichtbar in der Produktion beteiligt — auf der Bühne oder hinter den Kulissen?
  • Partizipative Formate: Gibt es Workshops, Talkbacks oder Co-Creation-Elemente, bei denen das Publikum selbst eingebunden wird?
  • Konkrete Hinweise zur Venue-Überprüfung

    Vor Ort half mir oft schon ein kurzer Anruf oder eine E-Mail an die Veranstaltungsleitung. Fragen, die ich stelle:

  • Wie weit ist der nächste barrierefreie Eingang und wie ist die Wegweisung?
  • Gibt es geeignete Sitzpläne für Rollstuhlnutzer*innen und Begleitpersonen?
  • Wie sind Akustik und Mikrofontechnik — ist für Hörbehinderte ein FM-System oder Induktionsschleife installiert?
  • Gibt es eine Ansprechperson für Barrierefreiheit am Einlass?
  • Wichtiger Tipp: Manche kleine Off-Räume (z. B. in ehemaligen Industriehallen) haben überraschend gute Lösungen, weil sie flexibel denken. Wenn die Venue offen kommuniziert, wie sie Barrierefreiheit umsetzt, ist das oft ein positives Zeichen.

    Inklusives Marketing: Ein guter Indikator

    Wer inklusiv denkt, kommuniziert inklusiv. Ich achte deshalb auf folgendes Marketing-Verhalten:

  • Fotos und Videos zeigen Diversität: Menschen mit unterschiedlichen Körperformen, sichtbaren Behinderungen, Personen mit verschiedenen Altersgruppen.
  • Die Texte sind konkret: Statt "barrierefrei" steht "Haupteingang stufenfrei; zwei Rollstuhlplätze in Reihe 1; Gebärdensprachdolmetschung auf Anfrage".
  • Ansprechpartner*innen mit Namen und Kontakt (Telefon + E-Mail) sind angegeben — das zeigt Verantwortungsbewusstsein.
  • Beispiele aus Zürich — wo ich positive Erfahrungen gemacht habe

    Ich möchte einige Orte nennen, bei denen ich persönlich inklusive Sportperformances oder -events erlebt habe:

  • Rote Fabrik: Hat wiederholt inklusive Projekte im Programm, z. B. inklusives Parkour und Tanzperformances mit Diversitätsfokus.
  • Dynamo (Theaterhaus Zürich): Kooperiert oft mit Street-Sport-Gruppen und setzt auf partizipative Formate.
  • ETH/Universität Zürich Forschungsprojekte: Projekte zu Sport und Inklusion laufen öfter öffentlich — nützlich für evidenzbasierte Formate.
  • Special Olympics / Procap Events: Diese Organisationen bieten regelmässig Events und Shows, bei denen Athlet*innen mit Behinderung sichtbar sind.
  • Was tun, wenn Informationen fehlen?

    Wenn eine Veranstaltungsseite intransparent bleibt, rufe ich an oder schreibe eine kurze E-Mail mit konkreten Fragen (siehe Venue-Checkliste). Falls es keine klare Antwort gibt, nehme ich das als Warnsignal. Manchmal lohnt sich ein persönliches Gespräch — Veranstalter*innen sind oft bereit, kurzfristig Lösungen zu finden, etwa zusätzliche Sitzplätze oder Begleitpersonenregelungen.

    Wie ich als Zuschauerin inklusive Praktiken unterstütze

    Ich habe einige Gewohnheiten entwickelt, um inklusive Kulturarbeit zu fördern:

  • Ich kaufe Tickets bewusst bei Veranstaltungen, die echte Inklusion leben — so signalisiere ich Nachfrage.
  • Ich gebe konstruktives Feedback nach Veranstaltungen: Was hat gut funktioniert, was nicht?
  • Ich teile positive Erfahrungen in meinen Netzwerken und verlinke Veranstalter*innen, um Sichtbarkeit zu schaffen.
  • Bei Unsicherheiten frage ich nach Unterstützung vor Ort, anstatt stille Kritik zu üben — many organisers want to learn.
  • Kurze Prüfliste zum Ausdrucken

    PrüfpunktJa/Nein
    Barrierefreie Anreise & Eingang
    Rollstuhlplätze & Begleitpersonenregelung
    Untertitel / Gebärdensprache
    Sensorisch angepasste Vorstellung (auf Anfrage)
    Informationen in mehreren Formaten
    Partizipation der Zielgruppe in Programmgestaltung

    Wenn du möchtest, kann ich diese Liste auch als druckbare PDF oder als Karte für Social Media aufbereiten. Sag mir einfach, welches Format du brauchst.