Ich habe lange danach gesucht, wie man in einer Stadt nicht nur Zuschauer ist, sondern wirklich mitmacht: bei Performances, die Sport, Bewegung und Partizipation verbinden. In diesem Text teile ich meine Erfahrungen und präsentiere praktische Wege, wie du solche Angebote findest — von der Dorfturnhalle bis zum experimentellen Tanzprojekt in Off-Räumen.
Worauf ich achte, wenn ich nach partizipativen Sport- und Bewegungsperformances suche
Für mich bedeutet “partizipativ”, dass die Grenze zwischen Performer und Publikum durchlässig wird. Das kann bedeuten, dass Besucher*innen auf der Bühne mitbewegen, in Workshops vorbereitet werden oder gemeinsam ein performatives Ritual entwickeln. Wenn ich Angebote durchforste, prüfe ich vorab folgende Punkte:
Mitmach-Level: Ist klar beschrieben, ob Vorkenntnisse nötig sind oder ob Neulinge willkommen sind?Barrierefreiheit: Können Menschen mit unterschiedlichen Körperlichkeiten teilnehmen?Gruppengrösse: Wird in kleinen Gruppen gearbeitet, die echte Interaktion ermöglichen, oder nur symbolisch mit dem Publikum?Intention der Macher*innen: Geht es um Show oder um kollektive Erfahrung und Gestaltung?Wo ich suche: Kanäle und Orte, die sich bewährt haben
Je nach Stadt variiert die Landschaft. Ich beginne meistens breit und verfeinere dann:
Kommunale Kulturhäuser und Stadttheater: Viele Häuser haben mittlerweile Vermittlungsprogramme, die Bewegungsperformances anbieten. Dort lohnt es sich, die Sektionen "Vermittlung", "Partizipation" oder "Education" gezielt zu checken.Tanzhäuser und zeitgenössische Zentren: Häuser wie das Tanzhaus Zürich sind zwar prominent, doch auch kleinere Studios veröffentlichen regelmässig Open Calls für partizipative Projekte oder Community-Performances.Sportvereine und Vereine für Freizeitsport: Überraschend oft entstehen an der Schnittstelle von Sport und Kunst Projekte — etwa Parkour-Gruppen, die Performance-Formate entwickeln, oder Yogakollektive, die performative Installationen anbieten.Hochschulen und Kunstakademien: Studentische Projekte sind experimentierfreudig und oft offen für Mitwirkung. Die Termine findest du auf den Webseiten der Hochschulen oder in ihren Veranstaltungskalendern.Off-Spaces, Kulturinitiativen und Stadtfeste: In Off-Räumen werden partizipative Formate ausprobiert — gehaltene Workshops, Flashmobs, performative Stadtrundgänge.Digitale Plattformen: Meetup, Eventbrite, Facebook-Veranstaltungen und lokale Kulturkalender sind gute Einstiegspunkte. In der Schweiz lohnt sich auch ein Blick auf Plattformen wie kulturkompass.swiss oder die Lokalrubriken der regionalen Zeitungen.Wie ich herausfinde, ob ein Angebot wirklich partizipativ ist
Die Beschreibung einer Veranstaltung lügt nicht immer — manchmal ist "partizipativ" nur ein Werbewort. Ich achte deshalb auf Details:
Gibt es eine klare Beschreibung der Rolle der Teilnehmer*innen? (Beispiel: "Du wirst Teil der Choreografie" versus "publikumsnahe Erfahrung".)Stehen Zeitangaben für Vorkurse oder Proben dabei? Partizipation braucht Vorbereitung — wenn nichts von Proben steht, ist es meist weniger tiefgehend.Wer sind die Produzent*innen? Projekte von Community-Organisationen, freien Choreograf*innen oder Kulturvermittlern tendieren eher zur echten Mitwirkung als rein kommerzielle Produktionen.Gibt es Feedback oder Reviews früherer Projekte? Rezensionen in Lokalmedien, Blogposts oder Social-Media-Kommentare können Hinweise geben.Praktische Schritte: So melde ich mich an und bereite mich vor
Wenn ich ein interessantes Angebot gefunden habe, gehe ich meist so vor:
Kontaktieren: Ich schreibe kurz an die Organisator*innen: Welche Erfahrung sollten Teilnehmende mitbringen? Wie offen ist die Rolle? Gibt es eine Probephase?Vorerwartungen klären: Manche partizipativen Formate verlangen physische Belastbarkeit oder bestimmte Kleidung — besser im Vorfeld wissen.Mitbringen: Bequeme Kleidung, Trinkflasche, bei Bedarf Matte oder Wechselkleidung. Bei längeren Projekten ein Notizbuch für Beobachtungen.Mentale Vorbereitung: Offenheit und Bereitschaft, Fehler zuzulassen. Partizipation bedeutet oft, unsicher zu sein — das ist Teil der Erfahrung.Beispiele für Formate, die ich selbst ausprobiert habe
Einige Formate haben mir besonders gezeigt, wie bereichernd partizipative Bewegungsperformances sein können:
Community-Choreografien: Mehrtägige Projekte, in denen lokale Teilnehmende gemeinsam mit einer Choreografin eine kleine Strecke choreografieren und am Ende im Stadtraum aufführen.Performative Stadtrundgänge: Bewegungsbasierte Führungen, bei denen Publikum und Performer*innen gemeinsam Orte neu interpretieren und durch körperliche Aktionen Geschichten erzählen.Interaktive Fitness-Performances: Cross-over zwischen Workout und Theater: Personen werden in kleine Gruppen eingebunden, erleben narrative Aufgaben und entscheiden über den Verlauf.Partizipative Sportinstallationen: Installationen, die Bewegungsdaten (etwa von Wearables) nutzen, um kollektive visuelle oder akustische Reaktionen zu erzeugen — oft an Festivals zu finden.Worauf Veranstalter*innen achten sollten — meine Beobachtungen als Teilnehmerin
Aus der Sicht einer Teilnehmenden funktionieren Formate dann gut, wenn Organisator*innen einige Dinge beherzigen:
Klare Kommunikation: Erwartungen, Zeitaufwand, körperliche Anforderungen.Schnittstelle zwischen Anleitung und Freiheit: Gute Facilitator*innen geben Struktur, lassen aber individuelle Beiträge zu.Raum für Reflexion: Nach dem Akt sollte Zeit sein, Erlebtes auszutauschen — das macht Partizipation nachhaltig.Inklusive Zugänge: Varianten für unterschiedliche Körper, mehrsprachige Anleitungen oder assistive Angebote sind essentiell.Tabelle: Kurzer Vergleich von Veranstaltungsarten
| Format | Typische Dauer | Partizipationsniveau | Geeignet für |
| Workshop-basierte Choreografien | Mehrere Sessions (Tage–Wochen) | Hoch | Menschen, die Zeit investieren wollen |
| Stadtperformances / Rundgänge | 2–4 Stunden | Mittel bis hoch | Neugierige, bewegungsfreudige Teilnehmer*innen |
| Fitness-Theater (One-off) | 1–2 Stunden | Mittel | Sportaffine Menschen, die Performance erleben möchten |
| Interaktive Installationen | Variabel | Niedrig bis mittel | Festivalpublikum, technikinteressierte Besucher*innen |
Netzwerk aufbauen: Wie ich Menschen und Projekte finde
Langfristig ist es am besten, ein kleines Netzwerk aufzubauen. Ich folge lokalen Choreograf*innen, Kulturvermittler*innen, Sportvereinen und Off-Spaces auf Instagram und Twitter. Regelmässig besuche ich Vernissagen, Clubnächte oder Sportevents — dort trifft man oft auf Macher*innen von Projekten.
Wenn du selbst ein Interesse an Partizipation hast, empfehle ich zusätzlich: Schreib aktiv an Kulturhäuser, biete dich als Teilnehmende an, sende Ideen an freie Kollektive. Viele Projekte leben von Freiwilligen, die mitmachen.
Wenn du möchtest, kann ich dir anhand deiner Stadt ein paar konkrete Orte und aktuelle Calls heraussuchen — nenn mir einfach die Stadt, und ich schaue, was aktuell läuft.